Der kleine Weinfreund…

Das habt ihr doch alle schon erlebt. Man sitzt im Restaurant mit der Freundin, Frau, Geschäftspartnern, oder wir wollen den zukünftigen Partner fürs Leben beeindrucken mit unseren Kenntnissen über Wein, wenn (oder falls) der Ober mit der Karte kommt.
Doch die Wahrheit ist, wir haben keine Ahnung von Wein und wenn, dann nur, dass wir roten Wein zum Fleisch und weißen Wein zum Fisch nehmen sollten.
Und ganz ehrlich, auch ich bin nicht mit der Weinrebe im Mund geboren worden. Es hat Jahre gedauert die richtigen Weine fürs Essen zu finden, nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Kochen.
Einer der größten Fehler, die in der häuslichen Küche gemacht werden ist, billigen Wein ins Essen zu geben und nur den teuren für die Gäste einzuschenken, und natürlich für sich selbst.

Kopie von Wein Nahaufnahme
Bild: Holger Langmaier

In verschiednen Rezepten für Rotwein, oder bei einem schönen Fischgericht für Weißwein, weise ich immer darauf hin, denselben Wein für Essen & Kochen zu verwenden. Mit den Tipps seid ihr nicht nur besser im Restaurant unterwegs, sondern ihr könnt auch Blender besser erkennen, denn nicht jeder Ober hat auch tatsächlich Ahnung von seinem eigenen Weinkeller.

Roter und Weißer – Herstellung und Geschichte

Jeder Wein ist zunächst ein weißer Traubenmost. Erst durch spezielle Verfahren wird aus den Schalen der roten Trauben, der Farbstoff für den Rotwein gewonnen. So kann aus roten Trauben auch ein weißer Bordeaux hergestellt werden, dieser kommt aber eher selten auf eine normale Weinkarte.
In der Regel werden eher Rotweine gelagert, als Weißweine. Ob sich eine Lagerung lohnt hängt vom Ausbau der Rebsorte, Traubenqualität, Ertragshöhe und der Art der Weinbereitung ab. Ideal gelagert wird guter Rotwein bei 10-13 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und natürlich ohne Licht, da sich sonst die Bestandteile des Weines verändern und der Wein schneller altert. Ein überlagerter Rotwein ist eher bräunlich von der Färbung. Der älteste trinkbare Rotwein ist 476 Jahre alt und liegt in Würzburg. Bereits vor Jahren wurde eine der noch zwei existierenden Flaschen auf über 500.000 Euro geschätzt. Der älteste Wein stammt aus der Römerzeit und wurde in einem Grab entdeckt in der nähe von Speyer. Er ist über 1650 Jahre alt, aber nicht mehr genießbar. Experten zufolge soll er sogar noch trinkfähig, aber keine Gaumenfreude mehr sein.

Temperatur

Für fast jeden Wein gibt es eine optimale Temperatur. So sollten Weißweine um die 10 Grad getrunken werden, während Rotweine bei ca. 18 Grad ihre optimalen Aromen entfalten. Wärmer sollte ein Wein nicht getrunken werden, da er sonst nur nach Alkohol schmeckt. Leichte Weißweine können sogar unter 10 Grad, Schaumweine (Sekt und Champagner) sollen sogar nur 8 Grad beim Verzehr haben. Beschlägt das Glas mit Wein im Lokal ist er für Weißwein richtig temperiert, Rotwein hingegen ist dann noch zu kalt.

Gläser

Rotwein sollte aus bauchigen Gläsern getrunken werden, damit sich das Aroma des Weins entfalten kann. Bei einem Weißwein ist das Glas deutlich schlanker und bei Schaumweinen sollte man dünnwandige Kelche (Flöten) verwenden. Verpönt hingegen sind gegossene Industriegläser (die man an der Naht erkennt, die beim Gießvorgang entsteht). Gläser für gute Weine und Sekt bzw. Champagner sind mundgeblasen. Ein Aufwand der sich beim Geschmack tatsächlich bemerkbar macht. Das riechen am Wein ist keine reine Angabe, denn dann könnt ihr die verschiednen Aromen (Obst, Holz- und Erddüfte) besser erfassen.

Trocken oder Lieblich?

Auf jeder guten Flasche Wein ist vermerkt, welchen Geschmack der Wein hat. Trocken bedeutet, dass der Wein nur wenig Zucker enthält, also eine intensive Säure besitzt. Ein halbtrockener Wein hat dann selbstverständlich mehr Zucker und weniger Säure und ein lieblicher Wein, schmeckt eher süßlich. Wer sich nicht sicher ist, was er mag, entscheidet sich am Besten für die Mitte und wählt einen halbtrockenen Weißwein oder Rotwein zum Essen. Der Wein sollte das Essen immer unterstützen und nicht dominieren.

Welcher Wein zum Essen?

SteakDie Roten

Zu einem Steak passt hervorragend ein roter Bordeaux. Die Aromen des Weins passen zum kräftigen Fleisch und sorgen für einen weichen und runden Geschmack im Mund.

Für ein Festtagsessen wie Lamm empfiehlt sich ein Pinot Noir, der durch seine süßliche Note bestens für Schmorgemüse geeignet ist.

Zu den klassischen italienischen Gerichten, wie Lasagne oder Spaghetti Bolognese passen auch die bekannten Rotweine aus Italien. Bardolino, Valpolicella oder Chianti sind hier ein MUSS. Je kräftiger die Nudelsauce, desto besser schmecken diese Weine beim trinken.

Einen Merlot kann man fast zu jedem dunklen Fleisch essen, ob Wild, Rind oder Bison.

FischDie Weißen

Ein Muscadet passt zu Spaghetti Gerichten mit leichten Saucen, sowie Meeresfrüchten, aber auch zu einem Fischfilet mit Salat und einem Stückchen Weißbrot.

Sauvignon Blanc ist ein fruchtig, leichter Weißwein mit einer ausgeprägten Säurenote. Er passt zu aromatischem Schafs- oder Ziegenkäse.

Zu leichten Suppengerichten zum Beispiel Maultaschen, passt ein Rosèwein mit einer geringen Säure.

Ein Chardonnay hat einen geringen Säureanteil und unterstützt den Geschmack von kräftigen Aromen wie zum Beispiel bei Trüffeln, oder Trüffelgerichten mit Nudeln.

Bei kräftigen und salzigen Fischgerichten eignet sich oft ein intensiver Wein wie Sherry (aus Spanien), der einen Gegenpol zum kräftigen Essen schafft.

Zu leichten asiatischen Gerichten, wie Frühlingsrollen und Gemüsepfannen passt ein frischer halbtrockener Riesling.

Für der Deutschen liebstes Gemüse, den Spargel, trinkt man einen fruchtigen und halbtrockenen Weißwein, wie einen Silvaner aus Franken.

Veganer Weißwein (gibt es wirklich) wird dann nicht mit den Inhaltsstoffen aus der Fischblase geklärt, sondern mit anderen natürlichen Stoffen, nur falls jetzt jemand in Zukunft immer veganen Weißwein kaufen möchte 😉

Zum Dessert passen nur liebliche Weine mit wenig Säure, wie eine Spätlese (Die Trauben wurden erst spät gelesen), oder ein Eiswein. Dieser wird erst nach mehrtägigem Frost geerntet und durch den geringen Ertrag ist dieser Wein etwas kostspieliger als übliche Weine, aber er ist ein ideales Geschenk für den Gourmet. Schaumweine wirken wegen der Kohlensäure oft viel süßer als sie sind, weshalb sie gut für Obst geeignet sind (Erdbeeren).

Kopie von Weißwein-gekühlt-758x1024neuFazit

Die Liste der Gelegenheiten ließe sich natürlich unbegrenzt fortsetzten, aber ich wollte nur ein paar erste Tipps geben, denn wer sich wirklich für Wein interessiert, kauft sich ein Buch und geht zum Weinhändler seines Vertrauens – online oder persönlich.
Die besten Weine habe ich in den letzten Jahren online gekauft. Dabei solltet ihr unbedingt darauf achten, dass die Weine gut beschrieben sind. Im Idealfall steht sogar dabei zu welchem Lebensmittel er passt.
Sicher gibt es auch mal einen guten Wein im Discounter, aber die möglichen Kopfschmerzen bei allzu billigen „Stöffchen“ rühren von den Zusatzstoffen her, die in Billigweinen zu finden sind – und Kopfschmerzen braucht ja wohl niemand, oder?

Zum Schluss halte ich es aber mit einem bekannten Deutschen Sommelier der gesagt hat:
„Der beste Wein ist der, der euch schmeckt“. Bleibt bitte alle lecker, Arno …

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Antje sagt:

    Danke für deinen ausführlichen Artikel. 👍👍👍

    Ich LIEBE Wein. Dennoch bin ich kein Weinkenner. Ich kann Wein unterscheiden in „schmeckt mir“ und „schmeckt mir nicht“!

    Wenn’s kühl ist und zu kräftigen Essen ein guter Merlot, momentan bei den sommerlichen Temperaturen ein ganz leichter Weißer. Gerne auch mit ein paar Prickelperlen.

    Sehr gerne trinke ich sog. Ökoweine und finde da immer mehr gute. Mein liebster deutscher Winzer auf diesem Gebiet ist Sander. http://sanderweine.de/#!/de

    Zum Wohle!

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    1. Liebe Antje, „schmeckt mir“ ist doch die beste Kategorie 🙂

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  2. Flowermaid sagt:

    … ein schöner, unaufdringlich beratender Beitrag über Flüssigkeitsgenuss ist das Arno… 🙂

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    1. Flüssigkeitsgenuss? Ist ja der Knaller 🙂

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  3. Arabella sagt:

    Da ich weder Weinkenner noch -trinker bin werde ich diesen Artikel noch oft für zu erwartende Gäste bemühen.
    Danke lieber Arno

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    1. Seeeeeeeeeehr gerne liebe Arabella 🙂

      Gefällt 1 Person

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