Im Kochtöpfchen der FBM …

Das Kochbuch ist tot! Lang lebe das Kochthema. Gestern war ich auf der Frankfuter Buchmesse (FBM) und habe mich bei allen Kochbuchverlagen umgesehen, hatte auch Termine im Vorfeld ausgemacht und ein erstes Fazit gibt es ebenfalls. Die sind alle ehrlich! Bis ins Knochenmark hinein. Das finde ich aus zwei Gründen gut. Erstens kann ich damit gut umgehen und ich muss mir keine Gedanken machen wie ich den Aussagen den Wahrheitsgehalt rauskitzle und Zweitens kann man an Kritikpunkten arbeiten, denn mit wohlwollendem Lob kommt man selten weit in der Bücherwelt.

Hier die ersten Fakten, die alle Verlage gleichermaßen bevorzugen. Du hast einen bekannten Namen, dann kannst du auch geronnene Grütze verkaufen oder als Originalzitat, „Alfons Schuhbeck verkauft schon Bücher, wenn nur Schuh drauf steht!“. Du hast tausende von Followern, gerne im gesamten Social Mediabereich, um sich Werbekosten zu sparen und einen garantierten Erfolg zu gewährleisten, du bist jung, weiblich, siehst blendend aus und hast dich auf ein Thema spezialisiert. Das Thema muss pregnant sein wie, Alles auf dem Grill, Vegan & gesund durchs Leben, Kochen aus dem Kräutergarten, Süße Versuchungen aus aller Welt, Deutsche Küche frisch auf den Tisch usw.

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… in meinem Garten, als Coverbild geplant.

Nein, dies sind keine wirklichen Buchtitel, aber ich sollte mich mit solchen Überschriften auseinandersetzen. Was heißt das jetzt für mich? Okay, volles Haar hab‘ ich noch, weiblich, jung, blendendes Aussehen …, lassen wir das. Übrigens Kochen für Freunde oder so, geht gar nicht. Wahrscheinlich ist es auch schwierig geworden mit Freunden zu kochen, vor allem wenn die nur virtuell existieren, ergo, dass alte Kochbuch von Großmutter, Mutter oder aus unseren Jugendjahren gibt es nicht mehr. Spezialisten werden gesucht, quasi Parteianhänger einer bestimmten Kategorie, die nicht mal eine Lebenseinstellung haben müssen, sondern eher eine Ansammlung von guten Spartenkochbüchern beinhaltet. Wenn es dann schon über mehrere Themengebiete geht, dann doch bitte nur aus Frankreich, Indonesien, Italien, Deutschland etc.

Ihr merkt schon, ich bin nicht frustriert, eher nüchtern und analysiere das Ergebnis. Wie also bekomme ich euch Doofies, die ihr ja eher vielseitig interessiert seid, links, rechts und über den Tellerand hinausschaut in meinem Werk unter, ohne auf meine oder eure Begeisterung verzichten zu müssen. Dafür habe ich zwei Wochen Zeit und es geht um gute Verlage, mit tollen Büchern, die meine Idee von gutem, schnellen, saisonalen Essen ohne Inhaltsstoffstoffe und Geschmacksverstärkern in die zumindest deutsche Welt hinaustragen könnten. Ein Dilemma? Keines Wegs, eher eine Denksportaufgabe, denn eines hatten auch alle Verlagsredakteure gemeinsam. Sie würden jedes meiner Rezepte essen. Entsprechendes Bildmaterial hatte ich natürlich dabei. Ich mache jetzt keinen Wettbewerb, wie man alle meine Kreationen in Einklang und mit einem roten Faden versehen könnte, sowie mit einem eindringlichen Titel, der dem geneigten „Esser“ in einem Buchladen oder im Internet ins Auge hüpft und den Speichelfluss anregt, denn ihr wisst nicht, dass ich noch 200 weitere Rezepte habe, die jederzeit veröffentlicht werden könnten, nur will ich dies nicht täglich machen und ich habe ja auch noch wirklich zu tun neben meinen Leidenschaften 😉

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Chocolatier Ruben Allossery

Ich krieg hier mal die Kurve zum Messebesuch und fand es bedauerlich, dass es viel weniger Stände gab an denen gekocht wurde, als noch im Vorjahr. Am Stand „Gourmand International“ gaben sich zwar Experten wie Volker Mehl, Tim Mälzer und andere ein Stelldichein, aber eher um ein neues Buch zu promoten oder eine Region zu vertreten. Einer dieser Köche war der jugendliche Chocolatier Ruben Allossery aus Brügge, der für die Ehrengäste Flandern und Niederlande am Start war. Er wies darauf hin wie wichtig gute Schokolade wäre und das mehr gute Schokolade in Schokolade einfach besser schmeckt. Dann zeigte er sein Talent beim Karamell herstellen und ich will nicht zu sarkastisch werden, aber gleichzeitig reden und kochen wäre auch nicht meins und so sah die Masse eher krümelig und brockig aus als geschmeidig ziehend an langen Fäden. Egal, die Zuschauer haben trotzdem die Proben gegessen, während ich freundlich winkend meinen Presseausweis hingehalten habe, um keine Fans zu stören. Das fanden die dann auch wirklich gut. Es gab viele gute Kochbücher zu bestaunen, Kräuterfibeln in allen Schattierungen (da fiel mir sofort Arabella ein), auch Haus und Garten waren vertreten, aber nur sehr wenig Innovatives, wie zum Beispiel die Zweidrittelpfanne für hungrige aber abwaschfaule Singlehaushalte (echt nur ein Scherz) oder Kekskrümmelbediendichselberschalen an Ständen wo gelesen werden durfte (echt jetzt kein Scherz).

Fazit: Entweder gelingt es mir die eierlegende Wollmilchsau als essbares Kryptonit für die Jugendszene bis 55 Jahre zu kreieren oder es bleibt ein einfacher Spaß zur Entspannung. Dabei gibt es noch eine sehr begabte Zeichnerin aus der Schweiz (Sandra), die mit mir gemeinsam das Kochbuch schreiben will und auch meine Idee von einer märchenhaften Kochgeschichte mit Rezepten für Kinder und Eltern mit Zeichnungen von Arti Rosen als Mittelteil des Buches wird wohl am Nagel enden, denn dies sei keine Zielgruppe. Bei dem Gedanken illustrierte märchenhafte Rezepte für Kinder als Geschichte in einem Kochbuch unterzubringen kräuselte sich dann bei den Redakteuren öfter die Stirn. Ich habe mich gefragt, wer eines Tages Kochbücher kaufen soll, wenn Kinder in der Küche keine Rolle spielen, aber was weiß ich schon, ich bin ja nur ein „Onkel“ der mit „Goldstück“ gerne in der Küche werkelt. Nehmt jetzt alles nicht so ernst und bleibt bitte alle lecker, euer Arno …

Pralinen und Fruchtgummis

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32 Kommentare Gib deinen ab

  1. Finde die Idee des Kinderkochbuches toll. Nicht erstaunt bin ich über die Reaktion der Verlagsvertreter, zeigt es doch sie gehen lieber in vorgetretenen Fußabdrücken. Übrigens gibt es die Verbindung Geschichte und Kochen, es war eine kleine Broschüre, die ich im Laden (erste Welt-Produkte) ausliegen hatte. Die Geschichten spielten in den Ländern aus denen das Rezept stammte und soweit ich mich erinnere, konnten die Kinder auch Zeichnungen ausmalen. Ach überhaupt, bleib bei deiner Idee und wie heißt es so schön: „Bleib lecker!“

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    1. Liebe Fruchtblüte, ich bin doch immer lecker du kesse Pflanze 🙂 Im ersten Schritt lässt sich bestimmt nicht alles verwirklichen, außer ich finde einen Verlag mit Weitblick und Standing. Die gibt es natürlich, aber wir müssen uns eben noch finden 😉

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  2. Flowermaid sagt:

    … meine Tochter, weiss wie gesund und wichtig selbst kochen ist, wer nicht aufgibt erntet Lächeln…

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    1. Na dann gebe ich halt nicht auf liebe Blumenfee 😉

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  3. Ruhrköpfe sagt:

    Lieber Arno, auch dieser Trend geht vorbei und deine Zeit wird kommen! Dran bleiben! Liebe Grüße, Annette 🙂

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    1. Liebe Annette, aufgeben gilt nicht. Ich werde zwei Optionen ziehen. Einmal meine Zielgruppe besser darstellen und dann einen Knallertitel ins Spiel bringen, wozu war ich sonst Unternehmensberater und bin kreativ 😉

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      1. Ruhrköpfe sagt:

        sehr gut! (und ich habe nichts anderes von dir erwartet 😀 )

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  4. An mein Kinderkochbuch erinner ich mich auch gerne zurück!
    Ich benutze zwar selten Koch- oder Backbücher, aber ich habe sie gerne, um mir die Bilder anzugucken 😀 Und wenn ich wirklich mal etwas nachgucken möchte, dann vertraue ich meinen Büchern viel mehr als diesem komischen Internet. Da kann heutzutage ja jeder einfach seine Rezepte abladen, wo kommen wir denn da hin?! 😀

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    1. *lach*, danke dir liebe Nina, ja ein guter Kochblog ist etwas anderes als wilde Rezepte auf Monsterplattformen 😉

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  5. Corinna sagt:

    Kochbücher für Kinder gibt es einige bei Amazon. Vielleicht müsste das Märchen vorrangig ein abenteuerliches Märchen sein, in dem viel gezaubert, verfolgt und gekämpft, aber an den entscheidenden Stellen auch gekocht wird. „Es muss nicht immer Kaviar sein“ für Kinder.

    Ich drück‘ Dir die Daumen dafür, dass Du noch ein übergeordnetes Konzept für Dein Kochbuch entdeckst. Nur deswegen jetzt Dein Geschlecht zu ändern, erschiene mir nicht sinnvoll.

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    1. *lach*, natürlich ist es eine Abenteuergeschichte liebe Corinna und danke fürs Daumendrücken 🙂

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  6. Hallo Du Lieber Arno,
    Ich freue mich, dass du heil und in einem Stück zu uns zurückgekehrt bist. Alle Messen auf denen ich bisher war fand ich ganz schrecklich anstrengend, aus eben den Gründen, die du in deinem anderen Artikel genannt hast (bis auf die Türklinken ;-)). Für mich kommen solche Veranstaltungen oftmals einer Massenhysterie gleich, besonders wenn es dann auch noch Gratispröbchen gibt! Dieses Gedränge ist zu viel für mich.
    Deine Idee mit den Märchenhaften Rezepten für Kindern finde ich ganz großartig und sehr innovativ. Ich erinnere mich noch immer an „Kochen mit der Maus“, eines der wenigen Kochbücher, die im Gedächtnis haften geblieben sind, weil es einfach was besonderes war.
    Ein Kochbuch sollte einen roten Faden aufweisen, klar, doch sollte es ja auch von dem Besonderen des Autors geprägt sein. Die spezielle Note ist es doch, die dein Werk von anderen unterscheidet und es aus der Masse hervorhebt, oder?
    Ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du deinen roten Faden finden wirst. Bei dem großen Fundus an Rezepten mache ich mir da eigentlich keine Gedanken.
    Faszinierend, dass wir dich durch diesen Prozess begleiten dürfen.
    Gespannt von Herzen, dein so oder so Fan, Rohnifer

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    1. Ich fühle mich geehrt liebste Rohnifer – danke für deine Worte ❤

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  7. Antje sagt:

    Vorschlag: Du kochst und schreibst, deine bekannte Schweizerin zeichnet und ICH mach die Autorin. Wie war das: JUNG (ist relativ), WEIBLICH (selbstverständlich) BLENDEND AUSSEHEND (und wie!!!) … bin ich alles!
    Deal?

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    1. *lach*, ja Antje, ich habe natürlich schon einmal durchgerechnet was ein eigenes Kochbuch kosten würde und da wären wir bei 10 Euro in der Produktion bei etwa 120 Bildern auf 200 Seiten verteilt und mindestens 500 Stück Bestellmenge. Der Verkauf würde dann bei etwa 20 Euro liegen und am Schluss blieben 2 Euro Gewinn übrig, wären also 300 Piepen für jeden und bisher habe ich alleine schon 500 Stunden in das Kochbuchprojekt gesteckt 😉 Ich glaube das müsste sogar gegen unser Grundgestz verstoßen 😀 Spaß beiseite, ohne Verlag ist ein vernünftiges Kochbuch nicht zu realisieren, aber danke, dass du dich opfern willst 🙂

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      1. Antje sagt:

        Ich würde das glatt umsonst machen. Naja – nicht so ganz: Mal hier und da mitessen würde ich schon!

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      2. Du Schlaufuchs 😀

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  8. Lieber Arno,
    gerade heute noch haben sich meine drei Nichten im Alter von 7 bis 11 Jahren, während wir Erwachsenen bei einem Geburtstagsbruch zusammen saßen, in die Küche verdrückt. Was sie dort gemacht haben? Kurzerhand eine Backstube eröffnet! Ein Duft von Lecker ließ mich in die Backstube spinksen… 👀 Es gab Minimuffins für Alle!
    So, lange Rede, kurzer Sinn: Ich würde dein „Kochbuch für Kinder“ (es wäre sicher ganz zauberhaft) sofort für meine drei Mädels kaufen! Sie sind die Erwachsenen von morgen und werden uns ganz sicher mal bekochen. 🤗

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    1. Dankeschön liebe Gaby, du hast vollkommen Recht, schließlich möchte ich nicht als alter Tatagreis eine Packung Fertigfutter aufgerissen bekommen, da kämen mir leckere Muffins sehr entgegen 🙂

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      1. 😅….ganz genau! Wünsche dir einen zauberhaften Tag. ☀️🍃🍁

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  9. Erika sagt:

    Bleib bitte an deiner Buchidee mit Kindern. Sie sind die Zukunft für gesunde, ausgewogene, saisonale Ernährung.
    Aus einem Tropfen kann eine Welle werden….

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    1. Stimmt liebe Erika, ich vergesse den Kinderkochbuch Teil nicht, auch wenn es beim ersten Anlauf nicht gelingen sollte. Alle Ideen und die Geschichte sind da und ich handle auch in Zukunft im Interesse der jungen Kochbegeisterten, versprochen 🙂

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  10. Lieber Arno, ich finde Deine Präsentation mit den Fotos hier 1 A und Deine Rezepte auch. (Hab erst gestern wieder Deine feine Tomatensauce zubereitet). Insofern bin ich begeistert und freue mich, wenn es Dich auch in Buchform gibt.
    Ich drücke die Daumen! Liebe Grüße von hier nach da.

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    1. Merci liebe kulinarische Beobachterin, ich werde mein Bestes versuchen 🙂

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  11. Das Kochbuch hat es natürlich heutzutage schwer gegen die internationale Gratiskonkurrenz im Internet anzutreten. Anleitungen, Tipps aller Art gibt es. Dazu kommt, dass nach jeglichem Schlagwort das Internet abgegrast werden kann und nicht erst mühsam im Kochbuch danach gegraben werden muss, Google sei Dank.

    Das Rezept kann es also nicht sein, für das man ein Kochbuch braucht. Warum also sollte man sich ein solches anschaffen? (Ich weiß es, ich bin aber nur einer!)

    Liebe Grüße. Christian

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    1. Natürlich sollte man ein Fan von Kochbüchern sein, die einen Unterhaltungswert besitzen und eben einen anderen Blick auf Speisen, als jene, die man im Netz finden kann. Ich habe einige gute Kochbücher zu Hause, auch von Spitzenköchen, aber ich schaue dort nie hinein, weil ich meistens eine eigene Idee im Kopf habe, nur habe ich keinen Namen, der einem Genießer guter Speisen etwas sagt. Letztendlich hoffe ich auf die Unterstützung eines Verlages, auch wenn dies viel Arbeit bedeutet. Danke für deinen guten Kommentar Christian!

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  12. Arabella sagt:

    Nun, dass du unter solchen Größen an mich denkst, ist mir eine Freude. Nimmermehr würde ich solches Treiben aufsuchen, lieber bleibe ich mit der Schaukelinhaberin in meiner Küche.
    Einen zauberhaften Sonntagabend wünsche ich dir verehrter Ritter von Rosen🌹

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    1. Mit Kindern zu kochen ist wunderbar und deinen Wunsch mit der Schaukelinhaberin lieber in der Küche zu bleiben teile ich komplett 🙂 ❤ So geht es mir mit Goldstück ebenfalls 😉

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      1. Arabella sagt:

        Schau mal in deine Mail:-)

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      2. Hab ich doch schon und deine congeniale Kochpartnerin bewundert, nur will mein Account gerade nicht so richtig, hihi 🙂

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